Titelaufnahme

Titel
Emotionale Störung mit Trennungsangst im Kindes- und Jugendalter : familiäre Identifikationsmuster, Erziehungsstil, Stressverarbeitungsstrategien, psychosoziale Belastungsfaktoren, psychopathologische Auffälligkeiten der Eltern und Prädiktoren für die Entwicklung dieser Angststörung / eingereicht von Petra Sackl-Pammer
Verfasser / VerfasserinSackl-Pammer, Petra
Begutachter / BegutachterinMax Friedrich ; Christian Popow ; Martin Aigner
Erschienen2010
Umfang155 Bl. : graph. Darst.
HochschulschriftWien, Med. Univ., Diss., 2010
Anmerkung
Zsfassung in engl. Sprache
SpracheDeutsch
Bibl. ReferenzOeBB
DokumenttypDissertation
Schlagwörter (DE)Emotionale Störung / Trennungsangst / Kindes- und Jugendalter / Stressverarbeitungsstrategien / psychosoziale Belastungsfaktoren Erziehungsstil, Psychopathogie der Eltern, Prädiktoren
Schlagwörter (EN)Separation anxiety / disorder / childhood and adolescence / coping-skills / childrearing, psychosocial adversities / psychopathology of parents predictors
URNurn:nbn:at:at-ubmuw:1-2087 Persistent Identifier (URN)
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Emotionale Störung mit Trennungsangst im Kindes- und Jugendalter [2.05 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Ziel: Im Rahmen dieser Untersuchung soll die Separation Anxiety Disorder (SAD) im Hinblick auf familiäre Identifikationsmuster, Erziehungsstil, psychosoziale Belastungsfaktoren, Stressverarbeitungsstrategien der Kinder und Jugendlichen, Psychopathologie der Eltern und relevante Prädiktoren für die Entwicklung einer SAD untersucht werden. Methodik: Die VG (Kinder und Jugendlichen mit einer SAD) von N = 30 Probanden wurde mit N = 30 Probanden der KG (Kinder und Jugendliche ohne einer psychischen Erkrankung zum Untersuchungszeitpunkt) verglichen. Zunächst wurden die soziodemografischen Daten erhoben. DIPS (Diagnostisches Interview für psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter; Kind- und Elternversion) von Schneider (2005) dient der Evaluierung von komorbiden Störungen. Einbezogen wurde die CBCL (Child Behavior Checklist; 4-18 Jahre) von Achenbach (1991), deutsche Übersetzung: Elternfragebogen zum Verhalten der Kinder und Jugendlichen. Der FIT (Familien- Identifikationstest) von Remschmidt (1998) diente zur Untersuchung der Selbstkongruenz und der familiären Identifikationsmuster. Es wurde ein SVF-KJ (Stressverarbeitungsfragebogen von Janke und Erdmann, Kindern und Jugendlichen angepasst) von Hampel (2001) verwendet, um die Coping-Strategien zu erfassen. Das ESI (Erziehungsstil-Inventar) von Krohne und Pulsack (1995) dient zur Erhebung des wahrgenommenen Erziehungsstils aus Sicht der Kinder und Jugendlichen. Die Achse V stellt ein standardisiertes Elterninterview zu den aktuellen abnormen psychosozialen Umständen von Poustka (1993) dar. Mit dem SKID-I und SKID-II (Strukturiertes Klinisches Interview für DSM-IV; Achse I: Psychische Störungen und Achse II:

Persönlichkeitsstörungen) von Wittchen, (1997) wird die Psychopathologie der Eltern zum Untersuchungszeitpunkt erfasst. Ergebnisse: Große Komorbiditätsraten der SAD zeigen sich im Bereich der Sozialen Phobie (bis zu 70 %) und einer depressiven Symptomatik (bis zu 50 %) zum Untersuchungszeitpunkt. Hinsichtlich des Erziehungsstils lässt sich feststellen, dass die Kinder mit einer SAD tendenziell mehr Tadel seitens der Eltern erfahren, aber gleichzeitig wachsen diese Kinder stark überbehütet auf und sind in ihrer altersadäquaten Entwicklung eingeschränkt. Der intrafamiliäre Kommunikationsstil ist von Verzerrung geprägt; verstärkt lässt sich Disharmonie unter den Erwachsenen in der Familie beobachten. Kinder und Jugendliche mit einer SAD verfügen über geringer ausgeprägte emotionsregulierende Stressverarbeitungsstrategien als gesunde Kinder und Jugendliche. Ein Zusammenhang mit einem signifikant geringeren Identifikationsgrad mit den Eltern in der VG gegenüber der KG konnte nicht bestätigt werden.

Die Psychopathologie der Eltern betreffend, zeigen sich zum Untersuchungszeitpunkt signifikant häufiger affektive Störungen bei den Müttern und Vätern aus der VG. Angststörungen (vor allem Soziale Phobie, Spezifische Phobie und Generalisierte Angststörung) sind signifikant häufiger bei den Müttern der VG als der KG anzutreffen; bei den Vätern zeigen sich die Soziale Phobie und die Zwangsstörungen als eine Form der Angststörung in der Auftrittswahrscheinlichkeit signifikant in der VG gegenüber der KG. Als wertvolle Prädiktoren für die Entwicklung einer SAD im Kindes- und Jugendalter haben sich folgende Variablen herauskristallisiert: Bei der Psychopathologie der Eltern lassen sich die aktuellen affektiven Beeinträchtigungen der Mutter und die retrospektiv-lebenszeitlich betrachteten Angststörungen als richtungsweisende Prädiktoren bestätigen. Weiters zeigen sich die nicht ausreichend vorhandenen emotionsregulierenden Stressbewältigungsstrategien der Kinder und Jugendlichen als Prädiktorvariablen bei der Entwicklung einer SAD im Kindes- und Jugendalter. Bei den psychosozialen Belastungsfaktoren erweisen sich die abnormen Erziehungsbedingungen (Infantilisierung und Unterdrückung von altersadäquater Entwicklung), die Disharmonie zwischen Erwachsenen (Eltern) und tendenziell auch ein vorherrschender verzerrter und inadäquater intrafamiliärer Kommunikationsstil als in dieser Untersuchung bestätigte Einflussfaktoren. Schlussfolgerungen und Erkenntnisse für die klinische Arbeit: Vermehrte psychotherapeutische Arbeit mit den Eltern der Kinder und Jugendlichen mit einer SAD, da auch die Eltern meist selbst einige psychopathologische Auffälligkeiten vor allem im Bereich der affektiven Störungen und der Angststörungen aufweisen. Ohne Intensivierung dieser Elternarbeit, welche auch eine kompetente Erziehungsberatung und ein Coaching im Umgang mit psychosozialen Belastungsfaktoren beinhaltet, wird sich die Outcome Rate der SAD-Patienten langfristig nicht verändern.

Zusammenfassung (Englisch)

Objective: The purpose of this study is to investigate the relevance of family identification patterns, child-rearing methods, psychosocial stress factors, coping strategies of the children and adolescents, and the psychopathology of the parents with regard to Separation Anxiety Disorder (SAD) and to test relevant predictors for the development of SAD. Methods: The experimental group of 30 children and adolescents with SAD was compared with a control group of 30 children and adolescents without psychiatric disorders at the time of the study. DIPS (Diagnostic interview for psychiatric disorders in childhood and adolescence, child and parent version) (Schneider, 2005) for the evaluation of comorbid disorders. CBCL (Child Behavior Checklist/4-18) (Achenbach, 1991) - German translation: parental questionnaire on the behavior of children and adolescents. FIT (Family Identification Test) (Remschmidt, 1999) for the assessment of self-congruence and family identification patterns. SVF-KJ (Janke and Erdmann's stress coping questionnaire adapted for children and adolescents) (Hampel, 2001) to assess the coping strategies. ESI (Child-Rearing Inventory) (Krohne und Pulsack, 1995) for the evaluation of the parental child-rearing styles as perceived by the children and adolescents. Axis V: Standardized Parent Interview on current abnormal psychosocial situations from the children and adolescents (Poustka, 1993). SKID-I and SKID-II (Structured Clinical Interview for DSM-IV; Axis I: Psychiatric Disorders and Axis II: Personality Disorders) (Wittchen, 1997) to assess the psychopathology of the parents at the time of the study. Results: Patients with SAD exhibit a high rate of comorbidity with social phobias (up to 70%) and depressive symptoms (up to 50%) at the time of the study. The children with SAD tend to receive more criticism from their parents but also are greatly overprotected and limited in their age-appropriate development. The intrafamilial communication style is highly distorted and the families exhibit a stronger disharmony among the adults. Children and adolescents with SAD possess fewer emotion-regulating coping strategies than healthy children and adolescents. Correlation with a significantly lower degree of identification with the parents in the experimental group versus the control group could not be confirmed. As regards the psychopathology of the parents, mothers and fathers in the experimental group exhibit affective disorders significantly more often at the time of the study. Anxiety disorders (above all social phobias, specific phobias and generalized anxiety disorders) are found significantly more often among mothers in the experimental group than in the control group; among fathers, social phobias and obsessive-compulsive disorders as a form of anxiety disorder are significantly more likely to occur in the experimental group than in the control group. The study reveals the following variables to be valuable predictors for the development of SAD in childhood and adolescence: Regarding the psychopathology of the parents, the study confirms the role of current affective disorders and a life-long retrospective analysis of anxiety disorders as valuable predictors. The lack of emotion-regulating coping strategies among children and adolescents are also revealed to be predictor variables for the development of SAD in childhood and adolescence. Among the psychosocial stress factors, the study further confirms abnormal child-rearing practices (infantilization and suppression of age-appropriate development), disharmony among the adults (parents) and a tendency towards a prevailing distorted and inadequate intrafamilial communication style as influencing factors. The influence of socio-demographic characteristics (age of parents, family status, number of siblings and parents' level of education) is low. A socio-demographic variable as predictor can only be found in the lower level of education of the mother. Conclusions and Clinical implications: Increased psychotherapeutic work with the parents of children and adolescents with SAD is very necessary, as the parents themselves often exhibit psychopathological symptoms (above all in the area of affective disorders and anxiety disorders). Without intensifying the work with the parents, including competent counseling on child-rearing and strategies for dealing with psychosocial stress factors, the outcome rate of patients with SAD is unlikely to change in the long-term.