Titelaufnahme

Titel
Die Atrophie des zahnlosen Alveolarkamms in einer mittelalterlichen Population / eingereicht von Wilburg Lippnig
VerfasserLippnig, Wilburg
Begutachter / BegutachterinWatzak, Georg
Erschienen2008
Umfang80 Bl. : Ill., graph. Darst.
HochschulschriftWien, Med. Univ., Dipl.-Arb., 2008
Anmerkung
Zusammenfassung in engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Atrophie / zahnloser Alveolarkamm / Awaren / Defekte / konkave Einsenkungen / Nervenkanal / Spongiosa
Schlagwörter (EN)atrophy / residual alveolar ridge / Avars / defects / concave depressions / nerve canal / cancellous bone
URNurn:nbn:at:at-ubmuw:1-1387 Persistent Identifier (URN)
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Die Atrophie des zahnlosen Alveolarkamms in einer mittelalterlichen Population [0.97 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Eine Atrophie des Alveolarkammes, d.h. ein Abbau von dessen Knochensubstanz, tritt vor allem nach Zahnverlust etwa durch Karies, Pulpitis oder Parodontitis auf. Neben dem Verlust von Zähnen spielen auch Krankheiten wie Osteoporose oder Störungen des Knochenstoffwechsel eine entscheidende Rolle bei der Ausprägung der Atrophie. Der Knochenverlust folgt einem vorhersagbaren Muster von 6 Abbaustadien.

Diese reichen vom bezahnten bis zu einem vollständig abgebauten Alveolarkamm.

Ziel dieser Studie war es, das Ausmaß der Atrophie in einer Population ohne zahnmedizinische Versorgung zu bestimmen und zu beschreiben. Zu diesem Zweck wurden 263 Individuen einer frühmittelalterlichen Population von Awaren, untersucht. Die Awaren, ein Reitervolk der späten Völkerwanderungszeit, lebten im 7. und 8. Jahrhundert im Wiener Raum.

Ihre Skelette wurden durch Grabungen im Jahr 1976 geborgen und ihr Sterbealter und Geschlecht war durch anthropologische Analysen ermittelt worden.

Alle 263 Individuen wurden in Hinblick auf Atrophieklassen, konkave Einsenkungen, Freiliegen des Nervenkanals oder Spongiosa und oberflächliche Defektbildungen beurteilt. Danach wurde untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen Ausmaß der Atrophie und Alter bzw. Geschlecht besteht.

Von den 263 Individuen wiesen 96 Individuen eine Atrophie in irgendeinem Kiefersegment auf. Es wurde ein Unterschied der Häufigkeit der Pathologien in den einzelnen Kieferabschnitten, sowie zwischen Oberkiefer und Unterkiefer festgestellt. Generell waren die posterioren Abschnitte beider Kiefer sowie die Mandibula im Vergleich zur Maxilla häufiger von einer Atrophie und deren Folgeerscheinungen, konkaven Einsenkungen, Freiliegen des Nervenkanals oder der Spongiosa und oberflächliche Defektbildungen befallen. Außerdem wurde ein hochsignifikanter Zusammenhang zwischen dem Alter und der Häufigkeit von Atrophie festgestellt. Mit zunehmendem Alter stieg auch die Zahl der erkrankten Individuen. In Hinblick auf das Geschlecht gab es keinen signifikanten Zusammenhang mit der Atrophie und deren Folgeerscheinungen.

Mit dieser Arbeit wurden eine ausführliche Bestandsaufnahme einer frühmittelalterlichen Population sowie ein alters- und geschlechtsspezifischer Vergleich der Häufigkeit und des Ausprägungsgrades von Atrophie vorgelegt. Diese Daten können als Basis für weitere Vergleiche von Populationen aus verschiedenen Epochen und mit unterschiedlicher Lebensweise herangezogen werde.

Zusammenfassung (Englisch)

Atrophy of the alveolar ridge, i.e. the resorption of its bone volume, mostly takes place after the loss of teeth, for instance caused by caries, periapical and periodontal lesions.

In addition to the loss of teeth, diseases like osteoporosis or an imbalance of bone metabolism play a major role in the development of atrophy. The atrophy takes place in a predictable pattern of stages of decline. These range from a dentate to a completely resorbed alveolar process.

The aim of this study was, to determine and describe the extent of the atrophy of a population without dentomedical care. For this purpose 263 individuals of an early mediaeval population of Avars were examined. The Avars, a nation of equestrian nomads, settled in the area of todays Vienna during the 7th and 8th century. Their skeletons were recovered through archaeological excavations in the year 1976 and their age at death and sex had been determined by an anthropological analysis. All 263 individuals were evaluated in respect to the degree of atrophy, presence of concave depressions, exposure of the nerve canal or cancellous bone, and superficial cortical defects. The correlation between the extent of atrophy and age and sex respectively has then been examined. 96 of the 263 individuals showed resorption of the residual ridge in at least one segment of the jaws. The results showed a difference in the frequency of occurrence of the pathologies in the different jaw segments as well as in the upper and lower jaw. In general the posterior segments and the lower jaw in comparison to the upper jaw have been more frequently affected by atrophy and its sequelae: presence of concave depressions, exposure of the nerve canal or cancellous bone, and superficial cortical defects.

Moreover a highly significant correlation between age and occurrence of atrophy has been noticed. With increasing age, the number of affected individuals rose considerably. In respect to sex no significant correlation has been observed.

With this study an extensive survey of an early medieval population as well as an age- and sex-specific comparison of the frequency of occurrence and the developmental stages of atrophy has been presented.

These data may provide the basis for further comparisons between populations from different eras of human history and various live-styles.