Titelaufnahme

Titel
Evaluation parafunktioneller Knirschmuster anhand des Bruxcheckers in Bezug auf den klinischen Attachmentverlust bei aggressiver Parodontitis / eingereicht von Julia Hofer
Verfasser / VerfasserinHofer, Julia
Begutachter / BegutachterinRausch Fan, Xiaohui
Erschienen2008
Umfang97 Bl. : Ill., graph. Darst.
HochschulschriftWien, Med. Univ., Dipl.-Arb., 2008
Anmerkung
Zusammenfassung in engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Bruxismus / okklusales Trauma / aggressive Parodontitis / Bruxchecker / Parafunktion / Okklusion
Schlagwörter (EN)bruxism / trauma from occlusion / aggressive periodontitis / bruxchecker / parafunction / occlusion
URNurn:nbn:at:at-ubmuw:1-2313 Persistent Identifier (URN)
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Evaluation parafunktioneller Knirschmuster anhand des Bruxcheckers in Bezug auf den klinischen Attachmentverlust bei aggressiver Parodontitis [5.37 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Bruxismus, das nächtliche, parafunktionelle Zähneknirschen, ist in der Bevölkerung weit verbreitet und wird unter anderem als potentielle Ursache eines okklusalen Traumas angesehen. Die dabei auftretenden Kräfte übersteigen jene bewusster Zahnkontakte in Dauer und Intensität um ein Vielfaches und können daher auch parodontale Gewebe schädigen. Bruxismus, das durch ihn verursachte okklusale Trauma und dessen Effekt auf ein reduziertes Parodont, wie im hier vorgestellten Fall bei aggressiver Parodontitis, wurden jedoch bis heute noch nicht untersucht.

Ziel Ziel der Studie war die Untersuchung von Bruxismus und dessen Effekt auf das klinische Attachmentlevel bei einer aggressiven Parodontitis.

Primärer Endpunkt war der Effekt von Bruxismus auf den klinischen Attachmentverlust, sekundärer Endpunkt dessen Einfluss auf die Mobilität der betroffenen Zähne. Weiters wurde untersucht, ob bei Vorhandensein eines Effekts dieser mit der Größe der Knirschmusterfläche oder mit bestimmten Knirschbewegungen zunimmt. Material und Methoden Dieser Fall-Kontroll-Studie unterzogen sich 52 Probanden: 26 parodontal Gesunde und 26 Probanden, die sich an der Abteilung für Parodontologie und Prophylaxe der Bernhard Gottlieb Universitätszahnklinik mit der Diagnose "aggressive Parodontitis" in Behandlung befanden. Ein Parodontalstatus mit Sondierungstiefen, Rezessionen und Mobilitäten wurde erhoben. Der daraus errechnete klinische Attachmentverlust wurde für jeden Zahn gemittelt. Anhand von Studienmodellen wurden Schlifffacetten registriert und die sagittale Lagebeziehung nach der Angle-Klassifikation eingeteilt. Für die Aufzeichnung der nächtlichen Knirschmuster wurde der Bruxchecker, eine in Japan entwickelte, 0,1 mm dünne und rot gefärbte Tiefziehfolie verwendet. Der Bruxchecker wurde für je zwei Nächte von allen Probanden in Ober- und Unterkiefer getragen. Die nun sichtbaren Abriebmuster wurden wie folgt eingeteilt:

nach Größe, nach Bewegungsrichtung und nach Lokalisation der Abriebfläche. Nach einer Selektion gemäß den Ausschlusskriterien, um zusätzlich beeinflussende Faktoren zu vermeiden, wurden die Daten von 16 Personen der "Aggressive-Parodontitis"-Gruppe und 22 Personen der Kontrollgruppe statistisch ausgewertet. Insgesamt wurden 993 Zähne in die Analyse einbezogen. Ergebnisse Folgende Punkte erwiesen sich bei der statistischen Auswertung mittels ANOVA, Chi2- Test und T-Test als hoch signifikant mit p<0,05:

1. Zähne mit einer Knirschmustergröße >3mm hatten einen höheren klinischen Attachmentverlust als Zähne mit punktförmigem Knirschmuster.

2. Zähne mit mediotrusiven Knirschbewegungen zeigten einen höheren klinischen Attachmentverlust als Zähne mit anderen Knirschbewegungen (p<0,001).

3. Bei aggressiver Parodontitis zeigten Frontzähne ohne inzisales Knirschmuster einen höheren klinischen Attachmentverlust als Frontzähne mit inzisalem Knirschmuster >3mm (p=0,022).

4. Bei der aggressiven Parodontitis Gruppe zeigte sich die Knirschmustergröße >3mm mit einer relativen Häufigkeit von 70% dominierend, während sie in der Kontrollgruppe bei gleichmäßiger Verteilung nur knapp 50% erreichte.

5. 72% aller Zähne mit einer Mobilität Grad II weisen ein Knirschmuster >3 mm auf. Alle Zähne mit einer Mobilität Grad II hatten auch ein sichtbares Knirschmuster.

Diskussion Parodontal erkrankte Zähne zeigten häufiger ein verstärktes Knirschmuster als gesunde. Weiters kann die Hypothese aufgestellt werden, dass in nächtlichen Bruxismus involvierte Zähne einen höheren klinischen Attachmentverlust und verstärkte Mobilität aufweisen. Der Einfluss der aggressiven Parodontitis auf den vorhandenen Effekt des Bruxismus' war ebenfalls klar zu erkennen. Auch Studien ähnlichen Designs liefern entsprechende Resultate: So fanden Yuodelis et al. und Bernhardt et al. an Zähnen mit mediotrusiven Balancekontakten signifikant erhöhte Sondierungstiefen. Harrel et al. zeigten dies an Zähnen mit okklusalen Diskrepanzen. Burgett erzielte ein besseres Ergebnis der Parodontalbehandlung nach okklusaler Therapie. Diese Studie war jedoch die erste, die das durch Parafunktion verursachte okklusale Trauma und dessen Effekt auf den klinischen Attachmentverlust in Verbindung mit einer aggressiven Parodontitis untersuchte. Die entsprechenden Resultate unterstreichen sowohl die Wichtigkeit der okklusalen Harmonie als auch der Beachtung von Bruxismus und dessen Einfluss auf Zähne und Parodont.

Zusammenfassung (Englisch)

Background Parafunctional habits such as nocturnal tooth grinding (Bruxism) are a very common source of trauma to the periodontal structures.

The fact that Bruxism's enormous force can contribute to occlusal traumatism and that it has a high prevalence in the population posed the question in which context it is involved in the progression of periodontal disease, since recent research had already established an influence of occlusal discrepancies on periodontitis.

Objective The aim of this study was to show the harming potential of occlusal contacts to the periodontal structures, especially in the nocturnal parafunction as known as Bruxism. The primary endpoint was its possible effect on the Clinical Attachment Level (CAL), and the secondary endpoint was its relation to tooth hypermobility. An additionally special interest was the question as to whether a possible effect modification was caused by the location of the tooth grinding, the extent of the grinding (surface diameter) and the apparent movement direction.

Materials and Methods The study was designed as a case control study with two groups. The aggressive- periodontitis group consisted of 26 patients under treatment for aggressive periodontitis in the Department of Periodontology and Prophylaxis of the University of Vienna Dental Clinic. The control group was formed by 26 students and other volunteers with a healthy oral status. Information regarding pocket depth, clinical attachment loss, mobility and the presence of wear facets were taken from the charts of the subjects in both groups as well as the Angles analysis of the dental sagital relation. For registration and evaluation of nocturnal tooth grinding, a simple, 0,1mm, red-dyed polyvinyl-leaf was used (the Bruxchecker), which was created and introduced by the Kanagawa Dental College in Japan. All participants had to wear the Bruxchecker on 2 consecutive nights for upper and lower jaw separately. Thereafter, by placing the Bruxchecker on the study cast, the tooth grinding pattern could be evaluated with regard to the following parameters: Location of the tooth grinding, extent of the grinding (surface diameter) and apparent movement direction. All people included in the study were chosen according to certain criteria in order to minimize variable influences on the results, e.g. age, smoking habits, permanent medical treatment, prosthodontic devices and certain oral health conditions. Due to this selection 993 teeth remained to be included in the statistical process.

Results Assuming a normal distribution of the attachment level, an ANOVA analysis was calculated to evaluate any significant differences between the groups. When equality of variances among comparing groups was denied, a simple t-Test was performed. Additionally, a Chi2 Test for comparing frequencies was performed. Major findings within a 95% confidence interval at p<0,05:

1. Within both groups, teeth with a grinding pattern >3mm had more clinical attachment loss than teeth with a small-point grinding pattern.

2. Analyses of the grinding movement within a grinding pattern of >3mm in both groups showed a strong tendency to higher clinical attachment loss when mediotrusive grinding movement was present.

3. The most interesting finding was a significantly lower clinical attachment loss within incisors with additional incisal grinding pattern in size >3mm versus incisors without tapping movement.

4. Major comparisons between teeth with aggressive periodontitis and those of controls led to a significantly different distribution of grinding patterns: While in the aggressive periodontitis group the grinding pattern >3mm leads with nearly 70% of frequency, the distribution is more equal with 50% >3mm and 50% distributed on the other grinding patterns in the control group.

5. 72% of all teeth registered with high mobility (III) had grinding patterns >3mm diameter. 100% of all teeth registered with high mobility had at least a small grinding pattern. There were no teeth observed with high mobility and no grinding pattern.

Discussion On the basis of the results of the present study it can be assumed that there is a possible effect of bruxism on the clinical attachment level, which could be influenced by aggressive periodontitis.

This effect is dependent on the size of the grinding pattern and on the direction (e.g. mediotrusive side- grinding) and the study yielded results similar to earlier studies on occlusal discrepancies and functional nonworking contacts. However, this was the first study which investigated a relationship between the progressive clinical attachment loss in patients with aggressive periodontitis and nocturnal tooth grinding. The results of this study indicate that clinicians must be made aware of the potential traumatogenic effect of bruxism on the periodontium and should make sure to look for possible signs of parafunctional activity in patients, especially those undergoing periodontal therapy.