Titelaufnahme

Titel
Verlagerung von Unterkiefer-Eckzähnen - eine retrospektive computertomographische Studie / eingereicht von Clemens Frey
VerfasserFrey, Clemens
Begutachter / BegutachterinStrbac, Georg ; Gahleitner, André
Erschienen2015
Umfang112 Bl. : Ill., graph. Darst.
HochschulschriftWien, Med. Univ., Dipl.-Arb., 2015
Anmerkung
Zusammenfassung in engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Transmigration / Retention / Unterkiefer / Eckzahn / Computertomographie / digitale Volumentomographie / Wurzelresorption / Lage / Therapie
Schlagwörter (EN)transmigration / impaction / mandibular / canine / CT / CBCT / root resorption / location / therapy
URNurn:nbn:at:at-ubmuw:1-6333 Persistent Identifier (URN)
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Verlagerung von Unterkiefer-Eckzähnen - eine retrospektive computertomographische Studie [2.17 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Einleitung und Zielsetzung: Retinierte Unterkiefer-Eckzähne sind im Gegensatz zu retinierten Eckzähnen im Oberkiefer überaus selten (Prävalenz 0,1-1,6%), weshalb sie noch nicht gezielt mittels dreidimensionaler Aufnahmetechniken untersucht wurden. Auch die Prävalenz bestimmter Komplikationen, für deren Diagnostik 3D-Aufnahmen nötig sind, konnte daher noch nicht ermittelt werden. Das Ziel dieser Studie war es, deren Lage und die Häufigkeit bestimmter Pathologien, insbesondere Wurzelresorptionen an Nachbarzähnen, erstmals mittels dreidimensionaler radiologischer Verfahren (CT, CBCT) zu untersuchen.

Durch die Erhebung weiterer Nebenparameter sollten zusätzlich ätiologische Faktoren der Retention von Unterkiefer-Eckzähnen und Komplikationsursachen ermittelt werden.

Material und Methode: Im Zuge dieser retrospektiven Studie wurden dreidimensionale radiologische Aufnahmen (CT, CBCT) analysiert, die zwischen 11/2006 und 03/2015 zur Diagnostik retinierter Unterkiefer-Eckzähne angefertigt wurden. Es ergab sich daraus ein Kollektiv von 88 Patienten (41 männliche und 47 weibliche) mit insgesamt 94 retinierten mandibulären Eckzähnen. Das Patientenalter lag zwischen 9,5 und 64,4 Jahren, das Durchschnittsalter betrug 25,6 Jahre. Anhand der dreidimensionalen Aufnahmen wurde die Lage des retinierten Zahnes in der Sagittalen, Horizontalen und Vertikalen bestimmt. Außerdem wurde die Neigung der Zahnlängsachse zur Mittellinie vermessen. Falls zusätzlich ein Panoramaröntgen vorlag, wurde auch dieses analysiert, um Messwerte aus den 2D- und 3D-Aufnahmen vergleichen zu können. Über die Mittellinie transmigrierte Zähne wurden zusätzlich nach Mupparapu (2002) klassifiziert. Weiters wurde das Vorhandensein von Wurzelresorptionen an benachbarten Zähnen, follikulären Zysten, Odontomen, Ankylosen und Häkchenbildungen der Wurzel des retinierten Zahnes erhoben. Zudem wurden Form und Größe des Zahnfollikels, die Kontaktbeziehung zwischen der Eckzahnkrone und den angrenzenden Zähnen, der Verlauf der Alveolenkontur der Nachbarzähne, der Durchbruch des Eckzahnes durch die Kortikalis der Mandibula, der Kontakt der Wurzelspitze zur Gegenkortikalis und der Entwicklungsstand der Wurzel untersucht. Zuletzt wurde erhoben, welche Form der Therapie der Patient erhalten hat. Die gewonnenen Daten wurden mithilfe des Statistikprogramms SPSS ausgewertet.

Ergebnisse: Der retinierte Unterkiefer-Eckzahn war in 52 Fällen (55,3%) bukkal lokalisiert, 34 (36,2%) mal zentral und 8 (8,5%) mal lingual. 38 (40,4%) Eckzähne wiesen eine Transmigration über die Mittellinie auf, davon war der Großteil (55,3%) dem Typ I nach Mupparapu zuzuordnen. Die Entfernung der Eckzahnspitze zur Mittellinie lag zwischen 35,9mm ipsilateral und 14,5 mm kontralateral. Die Neigung der Zahnlängenachse zur Mittellinie war bei transmigrierten Zähnen signifikant höher als bei nicht transmigrierten. Der Median der in den dreidimensionalen Aufnahmen gemessenen Neigung lag bei transmigrierten Zähnen bei 55,4, bei nicht transmigrierten hingegen bei nur 9,8. In der Vetrikalen waren die meisten Zähne (29,7%) innerhalb des apikalen Wurzeldrittels der Nachbarzähne lokalisiert. 8 (8,5%) der untersuchten retinierten Eckzähne verursachten Wurzelresorptionen an mindestens einem benachbarten Zahn, wobei insgesamt 10 Resorptionen gefunden wurden. Am häufigsten, nämlich in 5 Fällen (5,7%), war der laterale Schneidezahn betroffen. Des weiteren wurden 2 (2,3%) Resorptionen am zentralen Schneidezahn, 2 (2,2%) am ersten Prämolaren und eine (1,1%) am kontralateralen Eckzahn vorgefunden. Weitere häufige mit retinierten mandibulären Eckzähnen assoziierte Pathologien waren follikuläre Zysten (10,6%), Ankylosen (17,0%) und Odontome (18,1%).

Konklusion: Für die genaue Lagebestimmung retinierter Unterkiefer-Eckzähne, welche für eine sorgfältige Diagnostik und Therapieplanung erforderlich ist, sind dreidimensionale Aufnahmetechniken (CT, CBCT) unerlässlich. Die in der Horizontalen gemessenen Distanzen und Winkel weichen in Panoramaröntgen und dreidimensionalen Aufnahmen signifikant voneinander ab. In der Vertikalen zeigt sich hingegen, zumindest in Bezug auf die benachbarten Zähne, ein hohes Maß an Übereinstimmung. Die Wahrscheinlichkeit einer Transmigration des retinierten Unterkiefer-Eckzahnes ist umso höher, je größer dessen Neigung zur Mittellinie ist. Retinierte Unterkiefer-Eckzähne können Wurzelresorptionen an Nachbarzähnen verursachen. Als prädisponierende Faktoren für durch mandibuläre Eckzähne verursachte Wurzelresorptionen sind ein direkter Kontakt zu den Nachbarzähnen, eine linguale Lage und männliches Geschlecht anzusehen.

Bedeutsame Pathologien wie Wurzelresorptionen, follikuläre Zysten, Odontome und Ankylosen sind weder bei nicht transmigrierten, noch bei transmigrierten Unterkiefer-Eckzähnen signifikant häufiger zu beobachten. Nicht transmigrierte Eckzähne werden häufiger kieferorthopädisch eingereiht, als transmigrierte.

Aufgrund der Seltenheit retinierter Unterkiefer-Eckzähne und der damit verbundenen geringen Fallzahl bisheriger Publikationen, erscheint die Durchführung weiterer dreidimensionaler Studien sinnvoll, um in Zukunft zusätzliche Ergebnisse zu erhalten, die dann mit jenen der vorliegenden Studie verglichen werden können.

Zusammenfassung (Englisch)

Introduction and Objectives: Impaction of mandibular canines is, contrary to maxillary canine impaction, a quite rare (0.1-1.6% prevalence) dental anomaly, which is why they haven't been specifically investigated with three-dimensional imaging techniques yet. Additionally the prevalence of certain complications, which need 3D images for their accurate diagnosis, could not be determined yet. The aim of this study was to examine the position of impacted mandibular canines and the incidence of certain related pathologies, especially root resorption of adjacent teeth, with three-dimensional radiological methods (CT, CBCT) for the first time. Through the evaluation of several additional parameters also etiological factors for mandibular canine impaction and related complications should be identified.

Material and Methods: In this retrospective study three-dimensional radiological images (CT, CBCT), which were made between 11/2006 and 03/2015 in the course of diagnosis of impacted mandibular canines, were analyzed. Thus, a collective of 88 patients (41 male and 47 female) with a total of 94 impacted lower canines was recruited. The patients ages ranged from 9.5 to 64.4 years, the average age was 25.6 years. Based on the three-dimensional images, the sagittal position of the impacted tooth was evaluated as well as its horizontal and vertical location.

Additionally, the axial inclination of the canine relative to the mid-sagittal plane was measured. If there was also a panoramic radiograph available, it was analyzed as well in order to compare the measurements of the 2D and 3D images. Transmigrated canines were classified according to Mupparapu (2002). Furthermore, the presence of root resorption of adjacent teeth, dentigerous cysts, odontomas, ankylosis and tick developments of the root of the impacted tooth was examined. In addition, width and shape of the dental follicle, the contact relationship between the canine crown and the adjacent teeth, the periodontal contours of the adjacent teeth, the state of the cortical lining of the alveolar bone covering the impacted canine, the status of the deciduous mandibular canines und the development of the root were studied. It was also evaluated, what kind of treatment the patient received. All statistical analyses were performed using statistical software SPSS.

Results: 52 mandibular canines (55.3%) were found to be buccally, 34 (36.2%) centrally and 8 (8.5%) lingually in line with the dental arch.

38 canines (40.4%) were transmigrated across the midline, of which the majority was attributable to Mupparapu-type I. The distance between the cuspid and the mid-sagittal plane ranged from 35.9 mm ipsilateral to 14.5 mm contralateral. The axial inclination of the canine towards the midline was significantly higher in transmigrated canines than in non-transmigrated canines. The median of the inclination, measured in three-dimensional images, was 55.4 in transmigrated canines versus 9.8 in non-transmigrated canines. In most cases (29.7%), the vertical location of the canine cusp tip, in relation to the long axis of the adjacent tooth, was in the apical third of the root. 8 (8.5%) impacted canines caused root resorption of at least one adjacent tooth, overall 10 resorptions were found. Most frequently, namely in 5 cases (5.7%), the lateral incisor was affected. Furthermore, root resorptions were found in 2 (2.3%) central incisors, 2 (2.2%) first premolars and one (1.1%) contralateral canine. Other common pathologies associated with mandibular canine impaction were dentigerous cysts (10.6%), ankylosis (17.0%) and odontomas (18.1%).

Conclusion: For an accurate detecting of the position of an impacted mandibular canine, which is required for diagnosis and especially for treatment planning, three-dimensional imaging techniques (CT, CBCT) are essential. The horizontally measured distances and angles differ significantly in three-dimensional images and panoramic radiographs.

However, vertically there is a high amount of accordance, at least in relation to the adjacent teeth. The chance of an impacted mandibular canine to transmigrate across the midline is higher, the greater its inclination towards the mid-sagittal plane is. Impacted mandibular canines can cause root resorption of adjacent teeth. As predisposing factors for root resorption caused by mandibular canines, direct contact to the nearby teeth, a lingual position of the impacted canine and male gender are considered. Several pathologies such as root resorption, follicular cysts, odontomas and ankylosis aren't significantly more often observed neither in non-transmigrated, nor in transmigrant canines. Orthodontic alignment can be performed more frequently in case of non transmigrated canines than in transmigrated ones.

Due to the rarity of mandibular canine impaction, most of the previous publications had only a small number of cases or didn't use three-dimensional imaging techniques. Therefore, further three dimensional studies should be performed in the future to get more results, which can then be compared with those of the present study.