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Title
Karies in einer frühmittelalterlichen Population / eingereicht von Gisela-Maria Rottensteiner
AuthorRottensteiner, Gisela-Maria
CensorWatzak, Georg
Published2008
Description75 Bl. : Ill., graph. Darst.
Institutional NoteWien, Med. Univ., Dipl.-Arb., 2008
Annotation
Zusammenfassung in engl. Sprache
LanguageGerman
Document typeThesis (Diplom)
Keywords (DE)Karies / Frühmittelalter / Awaren / Ernährung / Lebensform / Zahnmedizin / Wien
Keywords (EN)caries / early middle age / avars / nutrition / living form / dental medicine / Vienna
URNurn:nbn:at:at-ubmuw:1-3473 Persistent Identifier (URN)
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Karies in einer frühmittelalterlichen Population [11.59 mb]
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Abstract (German)

Die Karies ist keine Krankheit der Neuzeit, sie ist ein sehr altes und weltweit verbreitetes Leiden. Aufgrund der Beschaffenheit der Zähne, die sich durch eine außerordentliche Härte auszeichnen, hat der Zahn in der Archäologie und Anthropologie eine große Bedeutung als Zeitzeuge. Durch diese Härte bleibt er über die Zeit hinweg auch bei Bodenlagerung in seiner Form bestehen. Der kariöse Defekt ist insofern einzigartig, da er auch nach dem Tod eines Individuums in seinem ursprünglichen Zustand erhalten bleibt. Der archäologische Fundort des früh-awarenzeitlichen Gräberfeldes Wien, Csokorgasse, stellte eine optimale Gelegenheit dar, um für den österreichischen Raum, speziell Ostösterreich, eine Studie über die Karieshäufigkeit an der Population der Awaren des 7. bis 8. Jhdt. n.

Chr., zu erheben.

Die Awaren waren ein kriegerisches Reitervolk aus der Steppe Zentralasiens, dass damals vor den Türken flüchtete, und sich im Karpatenbecken (in diesen Siedlungsraum befindet sich auch das südliche Wiener Becken und der Neusiedlersee) ansiedelten. Die Lebensweise der Awaren änderte sich im Laufe der Zeit von einer nomadischen hin zu einer sesshaften Lebensform. Dadurch kam es auch zu einer Änderung ihrer Ernährung, die sich von einer sehr fleisch- und milchreichen Kost hin zu einer gemischten Ernährung mit Kohlenhydraten, bedingt durch den Ackerbau, entwickelte. Die Erhebung der Karies wurde nach klinischen Aspekten am anthropologischen Fundmaterial von 138 Schädeln durchgeführt. Die kariösen Läsionen wurden nach ihrer Lokalisation am Zahn aufgelistet, sowie post mortem und ante mortem Zahnverlust wurden erhoben und ausgewertet. Dabei fanden die Kariesprevalence und der I-CE Index Verwendung. In der awarenzeitlichen Population wurden insgesamt 2239 Zähne untersucht. Davon wurden 877 Zähne ante mortem und 568 Zähne post mortem verloren. Es wurde ein prozentueller Anteil kariöser Zähne in der Höhe von 15,1% bei einem ante mortem Zahnverlust von 23,8%, ermittelt.

Im Anschluss daran wurde der I-CE Wert in der Hohe von 33 kalkuliert.

Der zweite Molar im Unterkiefer wurde am häufigsten von Karies befallen (34,4%). Die am häufigsten von Karies befallene Fläche stellte die Wurzel mit einem prozentuellen Gesamtwert von 26,6% und der Zahnhals mit 20,4% dar. Okklusal fand sich, bedingt durch abrasive Partikel in der Nahrung, ein niedriger prozentueller Wert von insgesamt 11,9%. Für historische Populationen ist dies ein typisches Verteilungsmuster.

Abstract (English)

Caries is not a disease of modern times; it is an ancient affliction with worldwide distribution. Due to the structure of teeth, which feature an extraordinary abrasiveness, they possess a certain role as a witness to history in archaeology and anthropology. Because of their hardness teeth can persist even after long time storage in soil.

The carious lesion is unique because it remains unmodified after an individual's death. The archaeological site of an early Avar burial ground in Vienna, Csokorgasse, was the ideal opportunity to evaluate the caries frequency of Avars in Austria in the 7th-8th century A.D. The Avars were fierce horsemen in Central Asia, who had fled from the Gokturks. They turned their attention to the Pannonian plain and established a state in the Danube River area. The lifestyle of the Avars changed gradually from a nomad to a setteled mode of life. Therfore the nourishment was altered from a protein rich diet to a mixed diet with high carbohydrate content, which was the consequence of agriculture.

The evaluation of caries was carried out in the anthropological sample consiting of 138 skulls according to clinical aspects. The tooth surfaces involved in carious lesions, the post mortem, and ante mortem tooth loss were recorded and analysed. Caries prevalences and I-CE index were used for analysis. In the Avar population an overall of 2239 teeth were rated. Therefrom, 877 teeth were lost ante mortem and 568 teeth were lost post mortem. 15.1% of all teeth showed carious lesions. The ante mortem tooth loss was 23.8%. The I-CE was found to be 33. The highest caries rate was shown in the second mandibular molar (34.4%).

The highest level of carious attack was observed in the tooth root with 26.6% and the cervical region with 20.4%. Only 11.9% of the occlusal surfaces were affected by caries due to the diet containing abrasive substances. This constitutes a typical caries distribution pattern for a historical population.