Titelaufnahme

Titel
Skeletal manifeste parodontale Erkrankungen in einer frühmittelalterlichen Population von Awaren / eingereicht von Barbara Müller
Verfasser / VerfasserinMüller, Barbara
Begutachter / BegutachterinWatzak, Georg
Erschienen2008
Umfang73 Bl. : Ill., graph. Darst.
HochschulschriftWien, Med. Univ., Dipl.-Arb., 2008
Anmerkung
Zusammenfassung in engl. Sprache
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Paläodontologie / Anthropologie / Parodontale Erkrankungen / Parodont / Pathogenese Parodontitis / Awaren / Interdentalsepten / alveolärer Knochenrückgang
Schlagwörter (EN)palaeodontology / anthropology / periodontal disease / periodontium / pathogenesis of periodontitis / Awars / dental septa / alveolar boneloss
URNurn:nbn:at:at-ubmuw:1-5231 Persistent Identifier (URN)
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Skeletal manifeste parodontale Erkrankungen in einer frühmittelalterlichen Population von Awaren [0.75 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Die parodontale Erkrankung kann in prähistorischen Bevölkerungen als Hauptgrund für den Zahnverlust angesehen werden. In Anbetracht des sehr starken Zahnsteinbefalles, einem Mangel an Hygiene und jeglicher medizinischer Betreuung, muss die Wahrscheinlichkeit für das Zustandekommen von Erkrankungen des Zahnbettes bei solchen Bevölkerungen als extrem hoch eingeschätzt werden. (1) Ziel dieser Diplomarbeit war es, die Verbreitung und den Schweregrad der parodontalen Erkrankung an Skeletten einer frühmittelalterlichen Population (Awaren 7-8 Jhd.n.Chr.), die ohne moderne medizinische und zahnmedizinische Versorgung lebte, zu untersuchen und einen alters- und geschlechtsspezifischen Vergleich anzustellen. In die Stichprobe wurden nach einer Bestandsaufnahme der insgesamt 705 Gräber 152 Schädel nach definierten Einschlusskriterien miteinbezogen.

Die Interdentalsepten wurden einer qualitativen Beurteilung unterzogen und der alveoläre Knochenrückgang wurde vermessen.

Die Ergebnisse der Beurteilung der Interdentalsepten zeigen, dass 54% der Individuen eine Gingivitis aufwiesen und 46% eine Parodontitis. Es zeigte sich auch ein deutlicher Anstieg der parodontalen Erkrankung mit dem Alter. In der Altersgruppe 21-40 waren von insgesamt 44 Individuen 11 (25 %) von Parodontitis betroffen. In der Altersgruppe 41-60 wiesen von insgesamt 39 Individuen 22 (56,4 %) Zeichen von Parodontitis auf. Im Vergleich dazu lässt sich bei der Altersgruppe 61-80 ein deutlicher Anstieg nachweisen. Von insgesamt 7 Individuen waren 6 (85,7 %) betroffen.

Ein signifikanter geschlechtsspezifischer Unterschied zeigte sich in der Altersgruppe 41-60, hier wiesen die Frauen zu 84,6% Zeichen von Parodontitis an mehr als der Hälfte der Zahnsepten auf, während es bei den Männern nur 42,3% waren (p=0,017). Die Ergebnisse der Vermessung des buccalen und lingualen Alveolarknochenrückganges zeigen in den Altersgruppen 41-60 (Mittelwert ABL buccal 5,37 mm / Mittelwert ABL lingual 4,70 mm; p=0,000) und in der Altersgruppe 61-80 (Mittelwert ABL buccal 6,94 mm / Mittelwert ABL lingual 5,89; p=0,001) einen signifikanten Unterschied. Der alveoläre Knochenrückgang war buccal am Zahn 33 (Maximum: 6,65 mm) am stärksten, während lingual der Zahn 41 am häufigsten betroffen war (Maximum: 7,98 mm). Aus den Untersuchungen geht weiters hervor, dass kein Zusammenhang zwischen dem alveolären Knochenrückgang und dem Erkrankungsgrad der Interdentalsepten besteht.

Mit dieser Diplomarbeit wurde eine detailierte Bestandsaufnahme sowie ein alters - und geschlechtsspezifischer Vergleich der Häufigkeit und des Ausprägungsgrades der parodontalen Erkrankung einer frühmittelalterlichen Population vorgelegt. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Population aus der vorliegenden Studie im Vergleich zu heutigen Populationen eine relativ hohe Rate an parodontalen Erkrankungen aufwies.

Zusammenfassung (Englisch)

Periodontal disease in prehistoric populations can be seen as the main reason for tooth loss. In consideration of the high affliction with calculus, the lack of oral hygiene and any medical care, the probability that diseases of the periodont occur in these populations is extremely high (Alt).

It was the aim of this thesis to determine the prevalence and degree of severity of periodontal diseases in skeletons of a population of early mediaeval times (7.-8. Century) which were not subjected to modern medical and dentomedical interventions and to compare influences of gender and age.

A sample of 152 skulls from a collection of 705 skeletons was included into the study while applying a strict criteria of inclusion. Conditions of dental septa were analysed qualitatively and recession of alveolar bone was measured. The results for the dental septa showed that 54% of the individuals were afflicted by gingivitis and 46% by periodontitis. A clear increase of the frequency of periodontal diseases with age was detected. In the age group 21-40 years 11 (25%) of 44 Individuals showed signs of periodontitis. In the age group 41-60 years 22 (56.4%) out of 39 skeletons were afflicted. In comparison the age group 61-80 showed a marked increase. Out of 7 individuals 6 (85.7%) were afflicted.

A significant sex-specific difference was present in the age group 41-60. 84.6% of the women showed signs of periodontitis on more than half of the septa, while it was only 42.3% for men (p=0.017).

The measurement results for alveolar bone recession showed significant differences between buccal and lingual sides in the age group 41-60 (mean ABL buccal 5.37mm / mean ABL lingual 4.70 mm; p=0.000) and in the age group 61-80 (mean ABL buccal 6.94 mm / mean ABL lingual 5.89; p=0.001).

Alveolar bone recession was most prominent on the buccal side for tooth 33 (maximum: 6.65 mm) and on the lingual side for tooth 41 (maximum:

7.98 mm). The analysis did not reveal a connection between the degree of pathological affliction of dental septa and alveolar bone recession.

In this thesis a detailed periodontal survey and an age- and sex-specific comparison of the prevalence and severity of periodontal diseases was conducted for a medieval population. In conclusion it can be said, that the population of the pertinent study showed a much higher rate of periodontal diseases than modern humans.