Titelaufnahme

Titel
Untersuchungen zur veränderten Haltungskontrolle bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen (Low Back Pain) in Bezug auf die (Fehl-)Haltung der Wirbelsäule / vorgel. von André Ljutow
Verfasser / VerfasserinLjutow, André
Erschienen2009
Umfang59 Bl. : Ill., graph. Darst.
HochschulschriftWien, Med. Univ., Lehrgang Interdisziplinäre Schmerzmedizin, Master-Thesis, 2009
SpracheDeutsch
DokumenttypMasterarbeit
URNurn:nbn:at:at-ubmuw:1-9102 Persistent Identifier (URN)
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Untersuchungen zur veränderten Haltungskontrolle bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen (Low Back Pain) in Bezug auf die (Fehl-)Haltung der Wirbelsäule [0.76 mb]
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Zusammenfassung

Die überwiegende Mehrheit der chronischern Rückenschmerzen gilt als unspezifisch. Funktionelle Betrachtungsweisen des Bewegungsapparates haben kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Die aufrechte Haltung und ihre Kontrolle spielt eine zentrale Rolle in der Analyse von Funktionsstörungen. Sie wird kontrolliert durch das Zusammenspiel des vestibulären Systems, des optischen Systems und der Propriozeption. Im Verhältnis untereinander spielen die propriozeptiven Informationen die bedeutendste Rolle. Die Integration der verschiedenen Systeme zur Regulationen erfolgt zentral als Haltungsmuster.

Aufgrund der aktuellen Studienlage erscheint die Störung der Haltungskontrolle bei Rückenschmerzen gesichert. Diese drückt sich in einer vermehrten Ausprägung der Schwankung in der anterior - posterior Dimension im Stand mit geschlossenen Augen und bei steigenden Anforderungen an die Haltungskontrolle im Vergleich zu den Ausgangswerten im normalen Stand mit offenen Augen aus. Die Fragestellung beinhaltet, ob die Störung der Haltungskontrolle mit einer im klinischen Alltag einfach durchzuführenden Untersuchung darstellbar ist und ob die Störung im Verhältnis zum gefundenen Haltungstyp steht.

Zur Darstellung der Variationsbreite der Wirbelsäulenhaltung wurden in einer Pilotberechnung 573 Messungen von Patienten ausgewertet. Gefunden wurden Normalverteilungen für die Beckenvorneigung, die Lordose und die Kyphose. Dabei überrascht sowohl die Verteilungsbreite, als auch der bisher in der Literatur nicht beschriebene Geschlechtsunterschied für die Ausprägung der Lordose und der Beckenvorneigung. Hierbei handelt es sich um Werte eines Patientenkollektivs und daher nicht um Normwerte.

In der Untersuchung wurde ein Patientenkollektiv von acht Personen mit chronischen Rückenschmerzen mit einem Kollektiv von acht schmerzfreien Freiwilligen verglichen. Gemessen wurde die Wirbelsäulenhaltung mittels rasterstereographischer Oberflächenvermessung im unkorrigierten Stand, wobei die Beckenvorneigung, die lumbale Lordose, die thorakale Kyphose und die Rumpfvorneigung bestimmt wurden. Ausserdem wurde die Schwankung des Zentrums der Druckbelastung mittels Fussdruckmessung mit offenen und geschlossenen Augen dargestellt.

Das untersuchte Patientenkollektiv konnte eindeutig durch die Ausprägungen der untersuchten Schmerzvariablen (Schmerzausprägung, -dauer, -charakterisitik, -chronifizierung, schmerzbedingte Beeinträchtigung, emotionale Beeinträchtigung, Lebensqualität, Wohlbefinden) als chronische Rückenschmerzpatienten indentifiziert werden im Gegensatz zu dem Kollektiv gesunder, schmerzfreier Vergleichspersonen. Trotzdem ergaben sich bei den durchgeführten Messungen keine Differenzen zwischen den untersuchten Gruppen, weder bezüglich der Haltung, noch im Bezug auf das Ausmass der Schwankung des Körpers. Auch fanden sich keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Haltung und Ausmass der 2 Schwankung. Somit stellen die von uns gewählten Versuchsbedingungen den in der Literatur mehrfach beschriebenen Unterschied im Schwankungsverhalten zwischen Rückenschmerzpatienten und Gesunden nicht dar. Erst recht lässt sich kein Bezug zur gefundenen Haltung herstellen. Das kleine Kollektiv (je acht Personen), die Versuchsbedingungen und die Anforderungen an die Haltungskontrolle müssen für weitere Untersuchungen überdacht werden.