Titelaufnahme

Titel
Qualitätssicherung in der intrathekalen Medikation : eine retrospektive Untersuchung und Entwurf eines Protokolls zur Qualitätssicherung / vorgel. von En-Chul Chamng
Verfasser / VerfasserinChang, En-Chul
Erschienen2009
Umfang142 Bl. : Ill., graph. Darst.
HochschulschriftWien, Med. Univ., Lehrgang Interdisziplinäre Schmerzmedizin, Master-Thesis, 2009
SpracheDeutsch
DokumenttypMasterarbeit
URNurn:nbn:at:at-ubmuw:1-9095 Persistent Identifier (URN)
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Qualitätssicherung in der intrathekalen Medikation [45.87 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Problemstellung

In der gegenwärtigen Literatur wird insbesondere der Stellenwert der intrathekalen Medikamentenapplikation zur Therapie chronischer Schmerzzustände kontrovers diskutiert. Zum Teil sind die Einschätzungen zur Wirksamkeit, Nebenwirkungsrate und Sicherheit dieser Therapiemethode völlig konträr. Durch die Auswertung eigener Patientendaten aus der 10 jährigen Erfahrung mit intrathekaler Schmerz- und Spastiktherapie am Institut für Anästhesiologie und Schmerzmedizin, Schmerzklinik Nottwil, soll einerseits der Stellenwert dieser Therapiemodalität in einem interdisziplinären Therapiekonzept herausgearbeitet und die Notwendigkeit einer einheitlichen Dokumentation zur Qualitätssicherung verdeutlicht werden.

Methodik

61 Patienten mit der Indikation Schmerz und/oder Spastik unter intrathekaler Therapie konnten motiviert werden, multidimensionale Fragebögen betreffend Schmerz und/oder Spastik und einen neu entwickelten Verlaufsfragebogen vierteljährlich auszufüllen. Die Daten wurden mit dem Statistikprogramm SPSS, Version 17 ausgewertet.

Ergebnisse

Die durchschnittliche Therapiedauer betrug 6.7 Jahre. 28 Patienten litten an Schmerzen, 24 an Spastik und 9 Patienten beklagten sowohl Schmerz und Spastik. Bei 20 Patienten wurde als Indikationsdiagnose eine Querschnittsläsion angegeben und bei 17 Patienten lag eine neurologische Grunderkrankung vor (Multiple Sklerose, infantile Zerebralsklerose, Lateralsklerose). Ein Failed Back Surgery Syndrome und „andere vertebragene Schmerzen“ waren bei 24 Patienten die Indikation für eine intrathekale Therapie.

Sehr zufrieden mit der Schmerzlinderung waren 24.4% der Patienten, 43.2% waren nicht zufrieden. Eine tägliche orale Pharmakotherapie war bei 70% der 31 Patienten zusätzlich zur intrathekalen Therapie notwendig, wobei 43% der Patienten eine gute bis sehr gute Zusatzwirkung angaben. Unter der intrathekalen antispastischen Therapie geben 64% der Patienten keine oder nur geringe Spastik an. Im Gegensatz zu den Schmerzpatienten nehmen 8% der Patienten zusätzliche orale Medikamente.

Bezüglich der Nebenwirkungen und Komplikationen kann auf Grund fehlender Daten und differierender Dokumentationsinstrumente, keine eindeutige Aussage getroffen werden. Die katheter- und pumpenassoziierten Komplikationen sind im Gegensatz zu den Angaben des Pumpenherstellers nach unserer Datenlage erheblich und müssen bei der Indikationsstellung intensiv diskutiert werden.

Diskussion

Auf Grund der eigenen Datenerhebung kann festgestellt werden, dass ca. 40% der Schmerzpatienten, unter peroraler analgetischer Zusatzmedikation, eine ausreichende Schmerzlinderung erfahren. In der Gruppe der Spastikpatienten können ca. 60% der Patienten profitieren. Insgesamt konnte die Wirksamkeit der intrathekalen Medikation insbesondere in der Spastiktherapie bestätigt werden. Es muss aber mit ausgeprägten Nebenwirkungen und Komplikationen gerechnet werden. Das fehlende interdisziplinäre Assessment, die unzureichende systematische Datenerfassung nach einheitlichen Kriterien mit Dokumentationsinstrumenten, welche dem multidimensionalen Aspekt der chronischen Schmerz (Spastik) Erkrankung Rechnung trägt, kann nach Meinung des Autors als Ursache für die diskrepante Beurteilung der intrathekalen Therapie angesehen werden.

Schlussfolgerung

Bei einer Therapiemodalität mit zum Teil schwerwiegenden Nebenwirkungen und Komplikationen ist neben einer interdisziplinären Indikationsstellung, eine lückenlose, periodische und systematische Dokumentation unter anderem zum Nachweis der individuellen Wirksamkeit der intrathekalen Therapie unbedingt zu fordern. Insbesondere müssen frühzeitig die Konzentrationssteigerung und die Dosissteigerung der Opiate erfasst und bei der weiteren Therapie berücksichtigt werden.

Durch die Einführung neuer Checklisten und Fragebögen (Checkliste vor Pumpenpatienten, technisches Pumpenprotokoll, Verlaufsfragebögen und Kurzverlaufsfragebögen) in Kombination mit den umfassenden Assessmentinstrumenten und angepassten Aufklärungsund Einverständniserklärungsbögen, können diese Forderungen vereinfacht erbracht werden.