Titelaufnahme

Titel
Einfluss der NMDA-Antagonisten Ketamin und Memantin auf Symptome der zentralen Sensibilisierung : Untersucht wurden die Auswirkungen auf das Temperaturempfinden bei Patienten mit komplexem regionalen Schmerzsyndrom (CRPS)
Verfasser / VerfasserinMesaric, Günter
GutachterSandner Kiesling, Andreas
Erschienen2009
Umfang50 Blatt
HochschulschriftMedizinische Universität Wien, Masterarb., 2009
Anmerkung
Arbeit an der Bibliothek noch nicht eingelangt - Daten nicht geprüft
Datum der AbgabeMärz 2009
SpracheDeutsch
DokumenttypMasterarbeit
Schlagwörter (DE)NMDA-Rezeptor
URNurn:nbn:at:at-ubmuw:1-11040 Persistent Identifier (URN)
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Einfluss der NMDA-Antagonisten Ketamin und Memantin auf Symptome der zentralen Sensibilisierung [1.02 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Die Schmerzentstehung und Wahrnehmung beruht auf einem komplexen physiologischen Zusammenspiel von peripheren und zentralen Mechanismen. Sie ist an viele plastisch veränderbare Strukturen gebunden und unterliegt einer ständigen Reorganisation.

Ein Grund dafür liegt sicherlich in der Plastizität des zentralen Nervensystems. Durch Umbauvorgänge im Rahmen von Lernprozessen, durch synaptische Neuorganisation übererregter Nervenzellen und durch Sensibilisierung von Rezeptoren stehen eine Vielzahl von Ursachen als Auslöser und Aufrechterhalter chronischer Schmerzzustände zur Diskussion.

In letzter Zeit rückte bei den experimentellen Studien und Untersuchungen ein Rezeptor immer mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Es konnte dargestellt werden, dass dem NMDA-Rezeptor bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der zentralen Sensibilisierung eine große Rolle zukommt. Er scheint durch sein koinzidentes Verhalten und durch seine Möglichkeit Calciumionen als second Messenger in die Zelle zu bringen, eine Schlüsselrolle bei Sensibilisierungs- und Gedächtnisvorgängen zu haben.

In der vorliegenden Untersuchung wird die Rolle von NMDA-Rezeptor Antagonisten in der Therapie der zentralen Sensibilisierung erforscht. Als Zeichen der Sensibilisierung wurden die thermischen Empfindungsstörungen als Kennzeichen einer sekundären Hyperästhesie und deren Veränderung unter den NMDA-Rezeptor Antagonisten Ketamin und Memantin durchleuchtet. Zu diesem Zwecke wurden Patienten, die unter einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom litten, auf diese Zeichen getestet und anschließend therapiert.

Es wurde niedrig dosiertes S-Ketamin (0,5g/kg/min i.v.) und Memantin 20mg/d als Studienmedikation verwendet. Die Patienten erhielten 5 Tage lang S-Ketamin und anschließend für 4 Wochen Memantin. Es wurde in dieser Zeit die Veränderung der Hitzehyper- und Hypoästhesie erhoben.

Die Studie zeigte, dass mit einer kontinuierlichen Gabe von S-Ketamin und einer darauffolgenden 4-wöchigen Einnahme von Memantin eine Beeinflussung der Hyperästhesie möglich ist. Alle Responder der Studie zeigten im Verlauf einen kompletten Rückgang der thermischen Sensibilitätsstörungen, wobei der größte Effekt bereits am 3. Tag erreicht wurde.

Die Studie zeigt, dass durch die Blockade dieser Rezeptoren es möglich ist, Überstimulationen an postsynaptischen Zellen zu verringern. Nimmt man die Hyperästhesie als Ausprägung solcher überschießenden Reaktion her, zeigt sich ein deutlicher Effekt.

Man kann nicht erwarten, dass der Einsatz von NMDA-Rezeptor Antagonisten in dieser niedrigen Dosierung per se einen analgetischen Effekt besitz. Es scheint jedoch möglich zu sein durch Veränderung im „Schmerzgedächtnis“ eine Modulation der Schmerzverarbeitung und des Schmerzerlebens zu erreichen.