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Bibliographic Metadata

Title
Aktuelle Evidenzlage interventioneller schmerztherapeutischer Maßnahmen an lumbalen Facettengelenken und deren Innervation : Analyse publizierter Daten, Beschreibung der Verfahren und Evaluation der Effektivität / vorgelegt von: Sabine Bredanger
AuthorBredanger, Sabine
Thesis advisorGustorff, Burkhard
Published2011
Description43 Blatt : Illustrationen
Institutional NoteMedizinische Universität Wien, Masterarb., 2011
Date of SubmissionMay 2011
LanguageGerman
Document typeMaster Thesis
Keywords (DE)chronische Rückenschmerzen / Facettengelenksyndrom
URNurn:nbn:at:at-ubmuw:1-11274 Persistent Identifier (URN)
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Aktuelle Evidenzlage interventioneller schmerztherapeutischer Maßnahmen an lumbalen Facettengelenken und deren Innervation [0.48 mb]
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Abstract (German)

Die Facettengelenke der Wirbelkörper sind häufig Ursprung und Ursache chronischer Rückenschmerzen. Neben konservativen Maßnahmen sind es interventionelle Verfahren der Schmerztherapie, die in der Behandlung dieser Patienten zur Anwendung kommen.

Die Diagnosestellung „Facettengelenksyndrom“ gleichbedeutend mit „von den Facetten-gelenken ausgehenden Schmerzen“ ist aufgrund der komplexen neuroanatomischen Verhältnisse, fehlende klinischer Tests und fehlender richtungsweisender Bildgebung schwierig. Andere, umliegende Strukturen können mit ursächlich oder gar alleinig für die als „Facettengelenkschmerz“ interpretierte Symptomatik verantwortlich sein.

Sowohl die Art und Weise der Diagnosestellung, als auch die Auswahl und die Technik der zur Therapie des Facettengelenksyndroms eingesetzten minimal-invasiven Verfahren werden kontrovers diskutiert.

In den letzten Jahren wurde eine entsprechende Guideline etabliert. Dennoch existiert keine international einheitliche Vorgehensweise in Bezug auf Diagnostik und Therapie des Facettengelenkschmerzes, was sich in den Veröffentlichungen zu diesem Thema wiederspiegelt. Bei den Kurz- und Langzeitergebnissen liegen zum Teil widersprüchliche Ergebnisse vor. Vor diesem Hintergrund ist es unschwer zu verstehen, dass sich die Effektivität der interventionellen schmerztherapeutischen Maßnahmen am Facettengelenk kaum objektiv einordnen lässt.

Die vorliegende Arbeit soll im Sinne einer beschreibenden Analyse (narrative review) auf der Basis der Veröffentlichung ab dem Jahr 2000 bis heute einen Überblick über methodisch qualifizierte Untersuchungen und deren Ergebnisse in Bezug auf das Outcome der an den Facettengelenken angewendeten Verfahren geben.

Folgende Fragen sollen evaluiert und beantwortet werden:

1. Wie effektiv sind die Verfahren

a) Intraartikuläre Injektionen im Sinne von Blockaden des Facettengelenks mit Lokalanästhetika bzw. Lokalanästhetika und Additiva

b) Blockade des Facettengelenknerven (medialer Ast des Ramus posterior des Spinalnervs; engl.: medial branch block) mit Lokalanästhetika bzw. Lokalanästhetika und Additiva

c) Denervierung des Facettengelenks im Sinne einer Neurotomie (thermisch oder chemisch) des medialen Ast des Ramus posterior des Spinalnervs

im Kurzzeit- und Langzeitverlauf

wobei die Effektivität als Schmerzreduktion (gemessen anhand der Numerischen RatingSkala; NRS) definiert ist.

2. Welche Voraussetzungen für die Untersuchung der Effektivität oben genannter Verfahren (a.-c.) sind für den Erhalt valider Daten unabdingbar?

Das Ergebnis dieser Arbeit wird folgendermaßen formuliert:

Die Effektivität von intraartikulären Injektionen wird in Frage gestellt. Im zu evaluierenden Zeitraum wurde nur eine Untersuchung veröffentlicht. Obwohl diese ein positives Ergebnis im Kurzzeit- und Langzeitverlauf aufweist muss die Behandlungsmethode aufgrund der uneinheitlichen Ergebnisse von klinischen Untersuchungen, die außerhalb des Betrachtungszeitraums publiziert wurden sowie aufgrund der fehlenden Etablierung einer validen Technik als nicht effektiv betrachtet werden.

Hingegen zeigt die Blockade des medialen Asts des Ramus posterior des Spinalnerven sowohl im Kurzzeit- als auch Langzeitverlauf eine signifikante Schmerzreduktion und stellt damit eine wirksame Behandlungsmethode facettogener Schmerzen dar. Die Studienlage im zu evaluierenden Zeitraum ist eindeutig und mit den Ergebnissen früherer Veröffentlichungen in Übereinstimmung zu bringen.

Von den drei im zu evaluierenden Zeitraum publizierten Untersuchungen zur Radiofrequenz-Neurolyse des Facettengelenknervs zeigen zwei keinen positiven Effekt in Bezug auf die Schmerzreduktion. Ergebnisse älterer Untersuchungen erbringen jedoch allesamt eine moderate bis strenge Evidenz im Kurzzeitverlauf sowie eine moderate Evidenz im Langzeitverlauf. Deshalb gilt die Neurotomie des medialen Asts des Ramus posterior des Spinalnervs derzeit als „Goldstandard“ in der Therapie von Facettengelenkschmerzen.

In der Zusammenschau der Ergebnisse muss festgestellt werden, dass die Anzahl qualitativ hochwertiger, d. h. randomisierter kontrollierter Studien, die im zu betrachtenden Zeitraum publiziert worden sind, mit insgesamt 7 zu gering ist, um hinsichtlich der drei Behandlungs-verfahren eine eindeutige Aussage machen zu können.

Deshalb sind auch nicht-kontrollierte Untersuchungen, d. h. prospektive oder retrospektive Beobachtungsstudien mit in die Evaluation eingegangen. Des weiteren wurden alle im zu betrachtenden Zeitraum publizierten systematischen Reviews analysiert und deren Ergebnisse in Bezug auf die Evidenz der Schmerzreduktion infolge der verschiedenen interventionellen Maßnahmen in den Kontext zu den Ergebnissen der einzelnen wissenschaftlichen Untersuchungen gestellt.

Als Resultat kann zusammengefasst werden, dass die Schmerzreduktion infolge von intraartikulären Injektionen eine moderate bis limitierte Evidenz, Blockaden des medial branch eine moderate Evidenz und die Neurotomie des Facettengelenknerven mit moderat bis streng die höchste Evidenz besitzt.

Vor dem Hintergrund evidenzbasierter Medizin ist nach exakter Diagnosestellung des „Facettengelenkschmerzes“ mittels kontrollierten, vergleichenden Blockaden der Neurotomie des medialen Asts des Ramus posterior des Spinalnerven in Form einer Radiofrequenz-Neurolyse vor den beiden anderen Behandlungsverfahren der Vorzug zu geben.

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