Titelaufnahme

Titel
Die apparative Diagnostik bei Complex Regional Pain Syndrome: Stellenwert des quantitativen sensorischen Thermotest / vorgelegt von Gerda Vacariu
Verfasser / VerfasserinVacariu, Gerda
GutachterSchuhfried, Othmar
Erschienen2013
Umfang60 Blatt : Illustrationen
HochschulschriftMedizinische Universität Wien, Masterarb., 2013
Datum der AbgabeApril 2013
SpracheDeutsch
DokumenttypMasterarbeit
Schlagwörter (DE)Complex Regional Pain Syndrome / apparative Diagnostik
URNurn:nbn:at:at-ubmuw:1-11347 Persistent Identifier (URN)
Zugriffsbeschränkung
 Das Werk ist frei verfügbar
Dateien
Die apparative Diagnostik bei Complex Regional Pain Syndrome: Stellenwert des quantitativen sensorischen Thermotest [1.76 mb]
Links
Nachweis
Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Zielsetzung:

Ziel der Mastherthesis war eine Aufarbeitung der derzeit zur Diagnose eines Complex Regional Pain Syndrome eingesetzten apparativen Diagnostik unter besonderer Beleuchtung der Quantitativen Sensorischen Testung. Da zu Beginn der Erkrankung eine potentielle Schädigung von C- und A- Fasern eine Rolle spielen könnte, wurden vorliegende Ergebnisse zur Quantitativen Sensorischen Testung (QST) bei CRPS ausführlich dargestellt.

Unter dem Aspekt, dass Hypothermästhesien bei Patienten mit CRPS in der Literatur häufig angegeben werden, wurden eigene erhobene Daten zum Quantitativen Sensorischen Thermotest untersucht

Fragestellungen:

1. Können mittels Quantitativen Sensorischen Thermotest Hypästhesien und Hyperalgesien auf Kalt- und Warmreize bei Patienten mit klinisch gesichertem CRPS nachgewiesen werden?

2. Gibt es Unterschiede im QST abhängig von der Dauer der Erkrankung?

3. Kann der Quantitative Sensorische Thermotest Patienten mit CRPS identifizieren, wenn Normwerte von gesunden Kontrollgruppen herangezogen werden?

4. Gibt es Zusammenhänge zwischen Dauer der Erkrankung, Schmerzintensität, Temperaturdifferenz und QST-Parameter mit dem Schweregrad des CRPS?

5. Kann das QST zur Diagnose eines CRPS Typ II beitragen?

Methode:

Es wurde eine retrospektive Analyse von 112 Patienten mit Verdacht auf CRPS, die im Rahmen der klinischen Untersuchungen auch mittels Quantitativen Sensorischen Thermotest (TSA-II, Medoc Inc) getestet wurden, durchgeführt. Um sicher zu stellen, dass ein CRPS vorlag, wurden die Budapestkriterien für klinische Forschung herangezogen.

Ergebnisse:

70 Patienten (52 Frauen, 18 Männer, Alter 5112Jahre erfüllten die Budapestkriterien (anamnestisch Symptome aus allen 4 Kategorien, 2 klinische Zeichen zum Zeitpunkt der Untersuchung).

Bei 43 Patienten war die obere Extremität betroffen (61,4%)

Bei 27 Patienten die untere Extremität (38,6%)

Im Seitenvergleich zur nicht betroffenen Extremität zeigten sich signifikante Hypothermästhesien (Kälteempfindungsschwelle CDT, p=0,001, Wärmeempfindungsschwelle WDT, p=0,002). Die Schmerzschwellen auf Kälte- und Hitzereiz zeigten keinen signifikanten Seitenunterschied.

44 Patienten konnten einem akutem CRPS zugeordnet werden (<6 Mo) und 26 Patienten einem chronischen Verlauf (>6 Mo).

Im Zeitverlauf kam es insbesondere für Wärme zu einer Anhebung der Empfindungsschwelle auch auf der kontralateralen Seite (WDT: ipsilateral: 39.64.7C; kontralateral: 38.95.0C; p=0.513). Bei chronischem CRPS (>6Monate) zeigte sich eine tendenzielle Hyperalgesie auf Kälte für die betroffene Seite (CPT: ipsilateral 11.510.8C; kontralateral: 6.17.7C; p=0.072).

Bei 43 Patienten mit CRPS der oberen Extremität wurde ein Vergleich mit publizierten Normwerten durchgeführt (31 Frauen:55,8 11,3 Jahre; 12 Männer: 48,3 8,3 Jahre)

Bezogen auf publizierte Normwerte konnte bei 34,9% eine Hypästhesie auf Kälte (CDT) und bei 28% eine Hypästhesie auf Wärme (WDT) festgestellt werden.

Bei 34 Patienten wurden die Schmerzschwellen bestimmt. Bezogen auf publizierte Normwerte konnte eine Hyperalgesie auf Kälte (CPT): nur in 1 von 34 (3%), eine Hyperalgesie auf Wärme (WPT) in 2 von 34 (6%) festgestellt werden.

Eine signifikante Korrelation zwischen Schweregrad des CRPS (CSS- Mittelwert= 11,5; min. 8 - max. 17), Dauer, Schmerz, Temperaturdifferenz und QST konnte nicht dargestellt werden.

Bei 19 von 43 Patienten mit CRPS im Bereich der oberen Extremität ergaben sich aufgrund der QST-Untersuchung und NLG-Befunden Hinweise auf eine Neuropathie. Bei 11 Patienten könnte ein ursächlicher Zusammenhang mit der Entwicklung eines CRPS vorliegen.

Schlussfolgerung:

Hypothermästhesien können bei Vergleich mit der nicht betroffenen Seite bei akutem CRPS nachgewiesen werden. Temperaturhyperalgesien zeigten sich bei den untersuchten Patienten nur selten. Im Zeitverlauf kommt es zu einer Angleichung der Temperaturempfindung auch auf der gesunden Seite. Dies könnte Folge zentraler Sensibilisierung oder auf ähnlichen Mechanismen wie bei Nichtdermatomgebundenen somatosensensorischen Defiziten (NDSD) beruhen.

Da gegenüber Normwerten nur ein geringer Prozentsatz als pathologisch zu werten ist, kann der Quantitative Sensorische Thermotest nicht zur Diagnose eines CRPS eingesetzt werden. Allerdings könnte das QST zum Screening einer minimalen Nervenläsion, die eventuell durch eine konventionelle NLG-Messung nicht erfasst werden kann, beitragen.