Titelaufnahme

Titel
Prävalenz und Charakteristik von Kopfschmerzen in einer Wiener Allgemeinmedizinischen Kassenpraxis : ist die momentane Datenlage ausreichend, um eine effiziente Diagnostk und Therapie bei schmerzhafter diabetischer Polyneuropathie anbieten zu können ?
Verfasser / VerfasserinSyen, Albert
GutachterWöber, Christian
Erschienen2013
Umfang92 Blatt
HochschulschriftMedizinische Universität Wien, Masterarb., 2013
Anmerkung
Arbeit an der Bibliothek noch nicht eingelangt - Daten nicht geprüft
Datum der AbgabeApril 2013
SpracheDeutsch
DokumenttypMasterarbeit
Schlagwörter (DE)Kopfschmerzen / Allgemeinmedizin
URNurn:nbn:at:at-ubmuw:1-11452 Persistent Identifier (URN)
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Prävalenz und Charakteristik von Kopfschmerzen in einer Wiener Allgemeinmedizinischen Kassenpraxis [1.45 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Ziel: Ziel dieser Arbeit ist es, zu zeigen, wie in einer allgemeinmedizinischen Wiener Kassenpraxis unter den realen Bedingungen der täglichen Arbeitsabläufe Patienten mit Kopfschmerzen behandelt werden und die Prävalenz und Charakteristik von Kopfschmerzen unter diesen Bedingungen darzustellen. Dabei sollen solche Merkmale, die für die Funktion des Hausarztes als Gatekeeper wesentlich sind und der Kontext, in dem diese Funktion ausgeübt wird, beleuchtet werden. Verbesserungsvorschläge sollen begründet werden.

Methode:1.) Befragung von 200 Wiener Allgemeinmedizinern mittels Fragebogen. 2.) Eine prospektive deskriptive Studie in der eigenen Praxis. Es werden konsekutiv so viele Patienten befragt, bis 50 Patienten identifiziert sind, die in den letzten 3 Monaten an relevanten Kopfschmerzen (MIDAS II-IV) litten und diese dann näher untersucht. 3.) In Fallbeispielen wird der Betreuungskontext näher dargestellt.

Ergebnisse: Von den 200 versandten Fragebögen wurden 23 ausgefüllt retourniert. Es mussten 189 Patienten befragt werden um 50 Patienten mit relevanten Kopfschmerzen zu identifizieren (170 Patienten hatten den Fragebogen ausgefüllt). Von allen Patienten, die den Fragebogen beantwortet hatten, gaben 19% eine Beeinträchtigung Grad III oder IV nach MIDAS an. Die Attackenfrequenz lag bei 14% bei bis 2 Mal pro Monat, bei 82% bei 3 Mal pro Monat bis 2 Mal pro Woche und bei 4% bei mehr als 2 Mal wöchentlich. 72% der Patienten verwendeten als Akutmedikation ein Analgetikum, 11% ein Triptan, 2% ein anderes Medikament und 15% verwendeten keine Akutmedikation. Bei 52% fand ich eine Indikation zur Änderung der Akutmedikation. Bei 86% der Patienten wäre aufgrund der Attackenhäufigkeit grundsätzlich eine medikamentöse Prophylaxe indiziert gewesen. Nur 39% der Patienten, bei denen diese indiziert gewesen wäre, erhielten entweder eine medikamentöse Prophylaxe, oder waren in der Vergangenheit darüber aufgeklärt worden, 61% gab an, nie über die Möglichkeit der medikamentösen Prophylaxe informiert worden zu sein. Von den 23 Ärzten, die den Fragebogen ausgefüllt retourniert hatten, gaben 22 an, jede Klage über Kopfschmerzen ernst zu nehmen, einer gab an, Klagen über Kopfschmerzen nur bei schwerer Beeinträchtigung oder Hinweisen auf sekundäre Kopfschmerzen nachzugehen. 21 von 23 gaben an, über Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu informieren, 11 über Triptane und 9 über medikamentöse Prophylaxe. In den Fallbeispielen zum Kontext wird deutlich, dass in der Wiener Allgemeinmedizinischen Kassenpraxis nur selten ein Patienten geplant zu einem Termin kommt und um Diagnostik und Therapie seiner Kopfschmerzen ersucht. Viel häufiger finden Kontakte in anderem Kontext statt: z.B. Krankschreibung, Verschreibung von Medikamenten, nebenbei Erwähnung der Kopfschmerzen, wenn eigentlich ein anderes (oft psychosoziales) Problem besprochen wird.

Diskussion und Schlussfolgerung: „Kopfschmerz“ ist ein, in der Wiener Allgemeinmedizinischen Kassenpraxis häufig vorkommendes Problem, die Wiener Ärzte für Allgemeinmedizin betrachten sich als zuständig für dieses Gesundheitsproblem. Fast alle Allgemeinmediziner fühlen sich auch für das Problem des Medikamentenübergebrauchs zuständig, knapp die Hälfte für die Behandlung mit Triptanen und immerhin 9 von 23 für die medikamentöse Prophylaxe. Trotzdem findet sich unter den Patienten, die ein tertiäres Kopfschmerzzentrum aufsuchen, eine große Anzahl mit Medikamentenübergebrauchskopfschmerz. Die eigenen Daten zeigen einen Verbesserungsbedarf bezüglich Akutmedikation und medikamentöser Prophylaxe. Ein Grund für die unzureichende Versorgung könnte der, in der Allgemeinmedizin oft ungünstige Kontext bei der Gelegenheit der Präsentation der Kopfschmerzen durch den Patienten sein. Als Verbesserungsmöglichkeit schlage ich ein sehr einfaches Screeningverfahren vor, durch das eine kleinere Gruppe von Patienten identifiziert werden kann, bei denen ein Verbesserungsbedarf besteht. Für diese Patienten soll dann ein Kontakt in einem günstigeren Setting geplant werden. Dieser kann je nach Kenntnisstand, Problemstellung und zeitlichen Möglichkeiten des Allgemeinmediziners wieder bei ihm, in einer fachärztlichen Praxis oder an einem tertiären Zentrum stattfinden.