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Bibliographic Metadata

Title
Schmerzerfassung bei orthopädischen und neurologischen PatientInnen in einem Rehabilitationszentrum / vorgelegt von Andrea Kulisev
AuthorKulisev, Andrea
Thesis advisorAigner, Martin
Published2015
Description63 Blatt : Illustrationen
Institutional NoteMedizinische Universität Wien, Masterarb., 2015
Date of SubmissionMay 2015
LanguageGerman
Document typeMaster Thesis
Keywords (DE)Rehabilitationsklinik Pirawarth / Schmerzparameter / NRS (Numerische-Rating-Skala)
URNurn:nbn:at:at-ubmuw:1-12435 Persistent Identifier (URN)
Restriction-Information
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Schmerzerfassung bei orthopädischen und neurologischen PatientInnen in einem Rehabilitationszentrum [1.36 mb]
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Abstract (German)

Von Februar bis April 2015 wurden die PatientInnen, die in Rehabilitationsklinik Pirawarth aufgenommen und entlassen wurden, gebeten, Angaben über die Art, Intensität, Lokalisation und über den Zeitverlauf ihrer Schmerzen zu machen. Es wurde eine Excel-Datenbank mit demographischen (Alter, Geschlecht), medizinischen (Art der orthopädischen Operation; neurologische Diagnosen; Art der medikamentösen Therapie) Angaben und mit den Werten der Schmerzparameter aus NRS (Numerische-Rating-Skala) und painDETECT bei Aufnahme und Entlassung angelegt. 74 orthopädische und 88 neurologische PatientInnen machten vollständige Angaben bei Aufnahme und Entlassung und wurden in dieser Querschnittserhebung berücksichtigt. PatientInnen, die aufgrund einer Aphasie oder Demenz nicht in der Lage waren, die Angaben zu machen, waren nicht eingeschlossen. Der Alters-Median betrug 58 Jahre bei den neurologischen und 64 Jahre bei den orthopädischen PatientInnen.^ Zustand nach Hüft- oder Knie-Totalendoprothese (TEP) sowie Zustand nach Wirbelsäulen-Operation waren die häufigsten orthopädischen Diagnosen. Schlaganfall, Multiple Sklerose und Zustand nach Wirbelsäulen-OP mit neurologischen Ausfällen waren die häufigsten Diagnosen der neurologischen PatientInnen.

Motivation für diese Querschnittserhebung war, zu überprüfen, ob die eigene Einrichtung „sensibel“ mit dem Thema „Schmerz“ während der Rehabilitation umgeht. Die wechselseitige Beziehung von Schmerz und Rehabilitation ist bekannt: Der Wieder-Erwerb der Funktion eines Teils des Körpers erfordert ein Training, das Schmerzen auslösen kann. Schmerzen aber beeinträchtigen den Verlauf der Rehabilitation und reduzieren die Lebensqualität.

Die Ergebnisse zeigen, dass ein großer Anteil der PatientInnen bei Aufnahme, Entlassung und während der Rehabilitation unter erheblichen Schmerzen (NRS > 5) leidet.^ 17 von 74 orthopädische und 8 von 88 neurologische PatientInnen hatten während der Rehabilitation im Durchschnitt einen NRS > 5 und damit erhebliche Schmerzen. Bei Durchsicht der Krankengeschichten dieser PatientInnen fällt auf, dass sie diese Häufigkeit und Intensität der Schmerzen bei den Visiten oft nicht angaben. Diese Diskrepanz könnte auf eine nicht ausreichende Kommunikation zum Thema „Schmerz“ hinweisen und zeigt einen Handlungsbedarf auf dem Weg zu einem „Schmerz-sensiblen“ Rehabilitationszentrum. Bemerkenswert ist, dass einige PatientInnen über stärkere Schmerzen bei der Entlassung als bei der Aufnahme leiden (orthopädisch: 7%; neurologisch 14%). Viele PatientInnen leiden während des stationären Aufenthaltes an der Rehabilitationsklinik über stärkere Schmerzen als vor dieser Zeit (orthopädisch: 11% - 13%; neurologisch: 11% - 20%; Durchschnitt bzw. Maximum).^ Dies zeigt die Dynamik der Wechselbeziehung zwischen Rehabilitation und Schmerz und die Notwendigkeit einer Anpassung der Therapiestrategie im Verlauf. Auch hier ergibt sich ein Diskussion- und Handlungsbedarf.

Klinisch hervorzuheben ist die Häufigkeit von Schulterschmerzen bei paretischem/plegischem Arm (ca. 30% der PatientInnen). Da sich das Problem im Verlauf der weiteren Rehabilitation noch verstärken wird und die Langzeit-Prognose ungünstig ist, besteht hier ein Handlungsbedarf, der diskutiert wird. Ein multimodales Therapiekonzept zur Prävention der Schulterschmerzen soll angedacht werden. Zentral neuropathische Schmerzen sind in Übereinstimmung mit der Literatur selten (1 von 25). Überraschend ist die Häufigkeit der neuropathischen Schmerzen nach Knie-TEP (6 von 22). Läsionen sensiblen Nerven sind die Ursache hierfür. Die meisten PatientInnen geben im Verlauf Schmerzspitzen an (oft mit zusätzlichem Dauerschmerz).^ Die Lokalisation der Belastungsabhängigen Schmerzspitzen zeigt eine Tendenz zur Ausbreitung: Nach Knie-TEP bestehen bei Aufnahme zur Rehabilitation zunächst die lokalen Schmerzen im Kniegelenk. Im Rahmen der Rehabilitation entwickeln sich, wohl als Folge von Fehlbelastungen, Schmerzen auch in der Wirbelsäule.

Als Konsequenz der Studie soll im Rehabilitationszentrum Bad Pirawarth diskutiert werden, wie ein „Schmerz-sensibler“ Umgang optimiert werden kann. Eine systematische, EDV-gestützte Schmerzerfassung und Interventionen, z.B. bei Weiterbildung und bezüglich eines multi-modalen Konzepts zur Prävention von Schulterschmerzen bei Parese/ Plegie des Arms sollen als Konsequenz der Arbeit diskutiert und umgesetzt werden.

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