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Title
Vergleich der Auswirkungen von Antidepressiva/Antipsychotika-Intoxikationen mit anderen peroralen Vergiftungen / eingereicht von Marlene Dremel
Additional Titles
Comparison of the effects of intoxications with antidepressants and antipsychotics with other oral intoxications
AuthorDremel, Marlene
Thesis advisorFrey, Richard
Published2018
Description64 Blatt : Diagramme
Institutional NoteMedizinische Universität Wien, Diplomarb., 2018
Annotation
Abweichender Titel laut Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers
Date of SubmissionNovember 2018
LanguageGerman
Document typeThesis (Diplom)
Keywords (DE)Intoxikation / Antidepressiva / Antipsychotika / QTc-Verlängerung / Intubation
Keywords (EN)intoxication / antidepressants / antipsychotics / QTc prolongation / intubation
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Abstract (German)

Einleitung und Zielsetzung: Wie in zahlreichen Studien nachgewiesen wurde, kann die Einnahme von Antidepressiva (AD) oder Antipsychotika (AP) durch Blockade von Natrium- und Kaliumkanälen im Myokard zu einer Verlängerung der frequenzkorrigierten QT-Zeit im EKG führen. Dadurch kann sich eine Repolarisationsstörung herausbilden, die das Entstehen einer Torsade-de-Pointes-Tachykardie fördert, die ihrerseits manchmal in ein Kammerflimmern übergeht. Da gerade jene Patienten, die im Rahmen ihrer Therapie AD oder AP einnehmen, häufiger von einer in suizidaler Absicht herbeigeführten Intoxikation betroffen sind, ist es von besonderem Interesse kardiale und lebensgefährliche Folgen einer Vergiftung mit diesen Substanzen zu kennen und zu berücksichtigen.

Material und Methode: Um die Fragestellung zu klären, ob und inwiefern Intoxikationen mit AD und AP gefährlicher sind als Vergiftungen mit anderen peroral zugeführten Medikamenten und/oder Alkohol, wurden konsekutiv die Daten aller 105 Patienten, die innerhalb eines Jahres mit der Diagnose „Intoxikation“ in der Universitätsklinik für Notfallmedizin des AKH behandelt wurden, erhoben. Anschließend wurden die 26 Patienten mit AD- oder AP-Intoxikationen mit den Intoxikationen durch andere Medikamente (N = 54) bzw. ausschließlich Alkohol (N = 25) verglichen. Als Hauptparameter hierfür wurden eine verlängerte QTc-Zeit und die Notwendigkeit einer Intubation herangezogen. Zusätzlich wurde die Vigilanz der Patienten anhand der Glasgow Coma Scale (GCS) bestimmt und auch der weitere Behandlungsablauf wurde erhoben und evaluiert.

Ergebnisse: Eine klinisch relevante Verlängerung der QTc-Zeit nach Bazett auf über 470 ms trat in der Zielgruppe mit AD/AP-Intoxikation mit der gleichen Häufigkeit (7 von 26, 26,9%) auf wie in der Medikamenten- und Alkohol-Kontrollgruppe (p-Wert = 0,178). Auch eine über 440 ms erhöhte QTc-Zeit nach Fridericia war in keiner der Gruppen signifikant häufiger (p-Wert = 0,760). Es kann ebenso als Zeichen eines vergleichsweise unauffälligen Risikoprofils der AD und AP gewertet werden, dass es keinen signifikanten Unterschied in der Wahrscheinlichkeit gab, mit der die eingenommenen Substanzgruppen eine Intubation erforderlich machten (p-Wert = 0,747). In der Zielgruppe gab es nur eine Intubation nach AP-Intoxikation. Es wurde ein signifikanter Zusammenhang zwischen einer verlängerten QTc nach Bazett und der Erforderlichkeit einer Intubation festgestellt (p = 0,003), was die Wahl dieser Parameter zur Risikobewertung der Intoxikationen hervorhebt. Auch im Fall der QTc nach Fridericia besteht eine Tendenz für einen Zusammenhang (p = 0,076). Bezüglich der Hauptparameter QTc und Intubation gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Mono- und Mehrfach-Intoxikationen. Wegen der geringen Fallzahl und der unterschiedlichen Wirkmechanismen der einzelnen überdosierten Substanzen wurde die Zielgruppe in der statistischen Auswertung nicht weiter in AD (N = 13) und AP (N = 16) unterteilt. Drei Patienten hatten sowohl AD, als auch AP eingenommen. Die GCS-Werte der AD/AP-Zielgruppe und jene der Kontrollgruppe wichen nicht voneinander ab (p = 0,439). Der weitere Behandlungsablauf der beiden Gruppen unterschied sich signifikant (p = 0,002). Während Patienten der Kontrollgruppe häufiger direkt entlassen werden konnten, wurden Patienten mit AD/AP-Intoxikation öfter an eine psychiatrische Ambulanz oder Station überwiesen. Ein Aufenthalt auf einer Station der inneren Medizin oder Intensivstation war hingegen in keiner der Gruppen signifikant häufiger (p = 0,297) und insgesamt selten (3 der Zielgruppe, 5 der Kontrollgruppe). Zusammenfassend sprechen die Ergebnisse der vorliegenden Diplomarbeit für eine gute Sicherheit der zurzeit häufig verschriebenen AD und AP und eine gute Nutzen-Risiko-Relation.

Abstract (English)

Introduction and Objectives: Many studies already proved the possibility of electrocardiographic QT interval prolongation and ventricular tachyarrhythmia induced by antipsychotic drugs by blocking potassium- and sodium-channels in myocardial cells. Patients, who regularly take antidepressants (AD) or antipsychotics (AP) as a spart of their therapy, may have suicidical intentions more often than other ones, which is why its essential to know how much risk an intoxication with those drugs poses.

Material and Methods: The collected data of 105 patients, who were treated at the emergency unit of the AKH because of an oral intoxication during one year of examination, was ascertained to compare the risks of antidepressants/antipsychotics with those of other drugs and alcohol. There have been 26 patients, who were intoxicated with antidepressants and/or antipsychotics. These cases were compared to the other 79 patients of the control group, which contained intoxications with other drugs (n = 54) and alcohol (n = 25). The main parameters therefore were QTc prolongation and the necessity of an intubation. Additionally, the conscious state of the patients was evaluated using the Glasgow Coma Scale and furthermore the treatment following the stay at the emergency unit was assessed.

Results: Clinical relevant QTc prolongation over 470 ms using Bazetts correction was not found significantly more often in any group (p = 0,178). Further, there was no significant difference regarding QTc prolongation over 440 ms using Fridericias correction (p = 0,760). The comparison between the AD/AP-group and the control group also revealed no difference in terms of intubation (p-value = 0,747). The AD/AP-group contained only one intubated patient. The probability of an intubation was significantly higher in cases with a prolonged Bazett-QTc (p-value = 0,003). Mono- and poly-intoxications showed no significant difference in respect of the main parameters intubation and QTc prolongation. There was no difference between the AD/AP-group and the control group regarding the Glagow Coma Score (p-value = 0,439). Because of the small number of cases and the different pharmacological effects of the various drugs, the intoxications with AD (n = 13) and AP (n = 16) were summed up for the statistical evaluation. 3 patients had taken AD as well as AP. Eventually, the results of the present study suggest, that an intoxication involving todays antidepressants and/or antipsychotics has no higher risk of a potential life-threatening outcome than others, which confirms their usage in view of an advantageous risk benefit ratio.