Titelaufnahme

Titel
Retrospektive Datenanalyse iatrogener P. vivax Infektionen von an Syphilis erkrankten PatientInnen in Wien
Weitere Titel
A retrospective data analysis of iatrogenic P. vivax infections in patients with syphilis in Vienna
Verfasser / VerfasserinKainz, Rosa Maria
GutachterRamharter, Michael ; Lagler, Heimo
Erschienen2019
Umfang72 Seiten
HochschulschriftMedizinische Universität Wien, Diplomarb., 2019
Anmerkung
Abweichender Titel laut Übersetzung der Verfasserin/des Verfassers
Arbeit an der Bibliothek noch nicht eingelangt - Daten nicht geprüft
Datum der AbgabeJanuar 2019
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Malariatherapie / P. vivax / Retrospektiv
Schlagwörter (EN)malaria therapy / P. vivax / retrospective
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Zusammenfassung (Deutsch)

In den 1950er und 1960er Jahren wurde an der damaligen Universitätsklinik für Psychiatrie und Neurologie des alten Allgemeinen Krankenhauses (AKH) in Wien 869 PatientInnen im genannten Zeitraum iatrogen mit Malaria infiziert. Diese Therapieform ging unter der Bezeichnung Fiebertherapie in die Medizingeschichte ein, die von Julius Wagner-Jauregg in der prä-antibiotischen Ära entwickelt wurde und in weiterer Folge weltweit zum Therapiestandard der Neurosyphilis wurde.

Die PatientInnen wiesen unterschiedliche Schweregrade einer oder mehrerer psychischer Grundkrankheiten auf und wurden durch die Ärzte mit Plasmodium vivax (P.vivax)-hältigem Blut infiziert. Die daraus resultierenden hohen Fieberschübe sollten eine Besserung der psychiatrischen Symptomatik bewirken. Das Besondere dieser Kohorte liegt darin, dass es sich bei allen Behandelten um Europäer handelt, die davor noch keinen Kontakt zu Malaria hatten, somit

liegen nur gesicherte Primärinfektionen vor.

Das vordergründige Ziel stellt somit die Beschreibung der Fieberdynamik und der Fieberhöhe der PatientInnen dar. Dadurch kann ein Beitrag zur klinischen Diagnostik geleistet werden, die bei Infektionen mit Malaria noch immer einen wesentlichen Teil des Therapiekonzeptes ausmacht. Weitere wesentliche Aspekte sind zudem auch die Veränderungen im Blutbild vor und nach der Therapie sowie die Therapie der iatrogenen Malaria an sich.

Die Erhebung der Daten erfolgte durch die systematische Aufarbeitung der PatientInnenakten aus dem Archiv der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, welche ins Dokumentationsarchiv des AKHs überstellt wurden. Die Analyse und Auswertung der gewonnenen Parameter erfolgt, bedingt durch den retrospektiven Charakter der Studie, überwiegend mittels deskriptiven Methoden der Statistik.

Aus dem Gesamtkollektiv wurde eine repräsentative Stichprobe von 175 PatientInnen entnommen, deren gemeinsames Merkmal eine verifizierte Infektion mit Syphilis im fortgeschrittenen Stadium ist. Von jenen PatientInnen wurden insgesamt 82 an der psychiatrischen Abteilung in Wien aufgrund ihrer Grunderkrankung weiterbehandelt. Die erhobenen Parameter erfassen unter anderem die Fieberhöhe, die Anzahl der Fieberschübe, die Intervalle zwischen den Fieberschüben, die Dauer von Inokulation bis zum 1. Schub sowie auch die nachfolgende Therapie der iatrogenen Malaria. Die grafische Darstellung der Daten erfolgte vorwiegend mit Histogrammen und Boxplots.

Im Fokus der Arbeit steht die Beleuchtung der infektiologischen und tropenmedizinischen Aspekte der durch Inokulation mit P . vivax iatrogen herbeigeführten Malaria tertiana. Die Auswertung der Daten spiegelt einerseits den charakteristischen Fieberverlauf der Erkrankung wider, andererseits lässt die Analyse der Daten ebenso eine Zunahme der Fieberstärke beziehungsweise Abnahme der Fieberintervalle im Verlauf der Erkrankung erkennen.

Da die Studie jedoch einige Limitationen aufweist, ist keine definitive Aussage zum Verlauf der Erkrankung möglich. Nichtsdestotrotz ermöglichte die Aufarbeitung der Daten eine detaillierte Beschreibung der Malariatherapie insbesondere vom infektiologischen Standpunkt aus und beleuchtet zudem ein wesentliches Kapitel der österreichischen Medizingeschichte.

Zusammenfassung (Englisch)

Back in the 1950ies and 1960ies of the 20th century, psychiatric patients, hospitalized at the department for Psychiatry and Neurology at the Vienna General Hospital, were intentionally infected with malaria. This so called malaria therapy or fever therapy was developed by the Austrian psychiatrist Julius Wagner-Jauregg and became the standard of care for neurosyphilis in the pre-antibiotic era.

The treated cohort comprised 869 mentally ill people with different severitys of their underlying disease, who were iatrogenically infected by the doctors with parasite-containing blood. The resulting fever was meant to ameliorate their psychiatric diseases.

The aim of this study was to descriptively characterize the clinical and laboratory characteristics of Plasmodium vivax malaria in patients previously unexposed to malaria. This patient population provides a unique opportunity to describe the natural course of malaria tertiana from the first day of infection until resolution of signs and symptoms after administration of antimalarial therapy.

The collection of the data was done systematically by using the patient files from the archive of the university department for psychiatry and psychotherapy, that were transferred to the documentary archive of the Vienna General Hospital. The analysis of the collected parameters was done by using descriptive statistical measures, which is a result due to the retrospective character of this study.

In consideration of the large cohort infected in Vienna, 175 out of 868 patients suffered from the consequences of end stage syphilis. These data are the basis for this analysis and will be used to gain a better insight into the pathogenesis of malaria tertiana. 82 of 175 patients remained at the general hospital for treatment and their data was therefore available for this study.

The gathered parameters comprised amongst others the height of the fever, the sum of the fever phase in total, the fever intervalls measured peak to peak, the duration from inoculation until the first fever phase as well as the following therapy of the iatrogenic malaria. The graphic visualization of the data was done mainly by using bar charts and box plots.

The main focus of this thesis is to enlighten the infectiological aspects of the iatrogenic inoculation of P. vivax leading to malaria tertiana. On the one hand, the anlysis of the data reflects the characteristic fever course known for the disease, but on the other hand the description of the data shows an increase concerning the height of the fever and a decrease of the intervalls between the fever phases.

Since this study is limited by various factors, a definitive statement concerning the course of the disease cannot be ascertained. Nevertheless, the analysis of this data provides a detailled description of the malaria therapy especially seen from the infectiological point of view and therefore describes a very important chapter in the medical history of Austria.